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Presse

Interview in der KU Gesundheitsmanagement: „Gefragt mit…“

By Juli 19, 2021August 5th, 2021No Comments

… Dr. med. Lukas Aschenberg, Geschäftsführer Tiplu GmbH, Hamburg

Welche Ihrer Vorzüge werden verkannt?
Ich glaube, so richtig verkannt werden Vorzüge, Nachteile und Schwierigkeiten im Umgang mit mir eigentlich nicht. Ich sage, was ich denke, was ich nicht verstehe und was mir passt und was nicht. Dadurch bin ich ganz gut einschätzbar und man weiß, woran man ist. Im beruflichen Umfeld trifft man auf viele Menschen, die eine bestimmte Rolle einnehmen und spielen (müssen), sich verkleiden und Dinge sagen, die sie persönlich vielleicht gar nicht so meinen. Das tue ich sicherlich sehr wenig. Auch kann ich mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Anzug getragen habe.

Was war Ihre größte Fehlentscheidung und was haben Sie daraus gelernt?
Wir haben im geschäftlichen Umfeld immer viel auf Vertrauensbasis und per Handschlag gearbeitet. Das ist einmal recht böse von anderen ausgenutzt worden und ich habe daraus die Lehre gezogen, dass man sich zumindest in diesem Umfeld auf Menschen nicht verlassen kann. Das hat bei mir zu einer grundsätzlichen Skepsis geführt, die meinen offenen Umgang mit allen möglichen Themen gefährdet hat. Zwischenzeitlich hat mich dies von der oben beschriebenen transparenten Umgangsart etwas abgebracht. Mittlerweile habe ich aber wieder „zurückgefunden“ und unterstelle Menschen erstmal, bis zum Beweis des Gegenteils, Ehrlichkeit.

Welches politische Projekt sollte schnell umgesetzt werden?
In der Gesundheitsbranche passiert aktuell recht viel. Hier gibt es einen starken politischen Willen, der auf Veränderungen und Innovation drängt. Das ist erstmal eine positive Entwicklung. Um aber datengetriebene Innovation (häufig in Form von maschinellem Lernen) voranzutreiben, müssen schnellstens eindeutige Entscheidungen zum Thema Datenschutz getroffen werden. Hier gibt es noch zu viele Graubereiche, die, abhängig davon welchen Datenschützer man fragt, unterschiedlich beantwortet werden. Die meisten Datenschützer vertreten bei unklarer Sachlage lieber den (für sie) sichereren Standpunkt: „Dann geht das nicht“. Innovation wird auf diesem Gebiet dadurch häufig ein Riegel vorgeschoben. Als ein Beispiel von vielen, kann man hier die Möglichkeit datengetriebener Diagnosefindung bei bereits entlassenen Patienten nennen. Wie geht man mit der Situation um, wenn eine während des stationären Aufenthalts potentiell „übersehene“ Erkrankung im Nachgang durch künstliche Intelligenz aufgedeckt wurde? Darf ich den Patienten oder den Hausarzt darüber informieren bzw. darf ich das Ergebnis überhaupt personenbezogen auswerten oder nur im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie ohne Einbeziehung des Individuums betrachten? Technisch gibt es hier bereits diverse Ansätze und auch fertig entwickelte Modelle, die die Behandlungsqualität mit Sicherheit verbessern würden. Unklar ist (neben sicherlich auch noch ethisch zu beantwortenden Fragen), ob sie datenschutzrechtlich eingesetzt werden dürfen.

Was ertragen Sie nur mit Humor?
Mittelspurfahrer auf der Autobahn (weswegen ich vermutlich fast ausschließlich Bahn fahre), zu freundliche/ aufdringliche Kellner im Restaurant, unklare Ansagen und vor allem Jammern/Klagen/Meckern: Wenn es einen Lösungsansatz gibt, diesen bitte verfolgen. Gibt es keinen, dann hilft auch Jammern nicht… Außer vielleicht, wenn mal wieder jemand auf der Mittelspur vor sich hin trödelt.

Wie können Sie am besten Stress abbauen?
Ich würde gern sagen Sport. Aber tatsächlich komme ich zwischen Arbeit und Familie viel zu wenig dazu, so dass ich gar nicht sicher bin, wieviel Sport mir beim Stressabbau wirklich hilft. Ich bin ein „Clean-Desk“ Mensch. Ich muss alle offenen Punkte und Aufgaben am Ende des Tages abgearbeitet haben, dann kann ich mich sehr gut entspannen und auch einfachmal gar nichts tun.

 

Quelle: KU Gesundheitsmanagement 07/2021

Lesen Sie den Artikel in Originalfassung unter:
https://ku-gesundheitsmanagement.de/2021/07/12/gefragt-mit-28/